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Großveranstaltungen der Alevitischen Jugend am 02.10.2008 in Köln & Stuttgart
15. Jubiläumsfeier

 
Presseerklärung vom 19.02.2008

Die zwei Seiten von Tayyip Erdogans Medaille

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Die Aleviten Gemeinde Bünde und Umgebung e.V. und der Verein International e.V. kritisieren den triumphierenden Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan in Deutschland. Während Erdogan die Türkei verschleiert, gibt er sich in Deutschland als Vorzeige-Demokrat. Anlässlich der ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins International, äußerten sich die Vorstandsmitglieder der beiden Vereine kritisch zu dem aktuellen Besuch Erdogans. „Dieser Propagandaauftritt läuft vollkommen der Intention beider Vereine, Migranten an der deutschen Gesellschaft gleichberechtigt teilhaben zu lassen, zuwieder“, sagt Uli Papke, Vorstandsmitglied des Vereins International.

Der Forderung Erdogans nach türkischen Schulen und nach Einsatz von Lehrkräften aus der Türkei in Deutschland, muss entschieden entgegen getreten werden. Die nationalistische Erziehung an Schulen in der Türkei darf keinen Einzug in Deutschland erhalten.  Es mutet hierbei höchst befremdlich an, dass Erdogan in Deutschland Forderungen stellt, die er in der Türkei selbst nicht erfüllt. Ethnische Minderheiten in der Türkei haben kein Recht auf Muttersprachunterricht an staatlichen Schulen, geschweige den Schulunterricht in ihrer eigenen „nicht-türkischen“ Muttersprache.

„In der Türkei gibt es ca. 67.000 Schulen, aber 85.000 Moscheen. Es gibt dort 77.000 Ärzte, hingegen 100.000 staatliche Imame. Und das bei verfassungsrechtlich verbrieftem Laizismus, also der Trennung von Staat und Religion.“ gibt Ali Dogan, der Vorsitzende der Aleviten Gemeinde Bünde zu verstehen. „Erdogan soll in alevitischen, christlichen und yezidischen Dörfern Schulen statt Moscheen bauen, dann erst wirkt er glaubwürdig.“, so Dogan weiter. 

Es ist zu befürchten, dass Erdogan versucht das Konzept der sogenannten „Türkisch-Islamischen-Synthese“ nach Deutschland zu exportieren. Hiermit ist eine Verbindung zwischen dem türkischen Nationalismus mit islamischen Elementen gemeint. Die Vorboten dieser Synthese haben bereits ihre Privatschulen in Deutschland gegründet. Fethullah Gülen, der religiöse Führer der Nurcu-Sekte (einer Art islamische Scientology) betreibt weltweit mehrere hundert Schulen, unter anderem auch in Deutschland

Erdogans Worte, dass Unterschiedlichkeiten als Reichtum angesehen werden sollten, erscheinen bei genauerer Betrachtung heuchlersch. Ali Karaton, der Vorsitzende des Vereins International, dazu: „Erdogan sollte zunächst seine Hausaufgaben in der Türkei machen und Aleviten sowie Christen und alle anderen religiösen Minderheiten als unterschiedliche aber gleichberechtigte Religionsgemeinschaften in der Türkei anerkennen und fördern. Erst dann sind seine Forderungen für die hiesige Gesellschaft ernst zu nehmen.“  

Obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Türkei verurteilt hat alevitische Kinder vom Zwang zur sunnitisch-islamischen Religionsunterricht zu befreien, müssen alevitische Kinder noch immer am Pflichtreligionsunterricht teilnehmen. Staatsminister Yazicioglu erklärte noch vor kurzem, dass die Cem-Häuser (Gebetshäuser) der Aleviten in der Türkei niemals den Status einer Moschee erhalten werden und verweigert den Aleviten die Anerkennung als Religionsgemeinschaft. „Religionsfreiheit umfasst in der Türkei anscheinend nur die Freiheit der islamischen Kopfbedeckung. Wir lehnen diese einseitige Freiheit zulasten anderer entschieden ab.“ so Ismet Sönmez, 2. Vorsitzender der Aleviten Gemeinde. Sönmez weiter: „Der Beiratsvorsitzende der in Deutschland ansässigen Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, DITIB, Herr Prof. Dr. Bardakoglu, hat noch vor Kurzem die Aleviten öffentlich aufgefordert, in die Moschee zu gehen, fünf Mal am Tag zu beten und im Fastenmonat Ramadan zu fasten. Das ist Assimilationspolitik erster Güte in der Türkei.“ Bardakoglu ist zugleich als Präsident der türkischen Religionsbehörde Diyanet dem Ministerpräsidenten Erdogan unterstellt. 

Die EU wird aufgefordert seinen Schmusekurs mit der AKP Regierung aufzugeben und auf Reformen und deren Umsetzung in drängen. Die heute vorhandene Beschwichtigungspolitik der EU schadet unserer Glaubwürdigkeit. Die Bundesregierung muss dafür Sorge tragen, dass die EU den Reformdruck auf die AKP Regierung erhöht. Nur so kann der Reformprozess in der Türkei fortgeführt und mit Leben gefüllt werden. Religiöse und ethnische Minderheiten in der Türkei müssen endlich von den neu gewonnen Freiheiten in der Türkei profitieren können. „Nicht die Freiheit auf einem Stück Papier, sondern die reell gespürte und ausgelebte Freiheit in der Türkei sind für die dortigen Minderheiten, um die wir uns hier sorgen, von Interesse.“ sagt Ali Dogan abschließend.

Ali Dogan

(Vorsitzender)


Presseerklärung vom 12.01.2008
"Jugendliche Straftäter"

Es ist zum traurigen Alltag in der politischen Debattenkultur Deutschlands geworden, dass Politiker sich an wichtige Themen erinnern, wenn (Ab-)Wahlen bevorstehen. Die breite Öffentlichkeit kann sich nicht gegen die mit einer medialen Übermacht verbreiteten Wahlkampfthemen erwehren. Dass diese politische Unkultur des Themenmissbrauchs vor Wahlen nun perfektioniert wird, indem Politiker mit subjektiven Angstempfindungen spielen und Stigmatisierungskampagnen starten, ist für unsere Demokratie eine große Gefahr. Die Aleviten Gemeinde Bünde und Umgebung e.V. ist entsetzt über die unsachliche Kampfrhetorik bei der Debatte zum Thema Jugendgewalt und fordert eine Rückbesinnung auf demokratische Gepflogenheiten!

Der Auslöser für die erhitzte Debatte, der Angriff von zwei in Deutschland sozialisierten Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf einen Rentner in einer Münchner U-Bahnstation, kann und darf von niemandem relativiert oder schöngeredet werden. Die verantwortlichen Jugendlichen müssen natürlich nach den hier geltenden Gesetzen verurteilt werden!

Und da sind wir auch schon gleich bei dem Kern des Problems angelangt: Es geht um die „hier“ geltenden Gesetze, es geht um Jugendliche mit Migrations-„Hintergrund“ und oftmals nicht um Ausländer. Diese jungen Mitbürger sind hier sozialisiert worden, ihre Probleme sind nicht „ausländisch“ sondern „made in Germany“. Schon die Frage danach, ob die „innere“ Sicherheit durch jugendliche „Ausländer“ gefährdet ist, geht von der Prämisse aus, dass es hier keine Sicherheitsmängel gäbe, sofern sie nicht vom Ausland importiert würden. Diese Sichtweise verkennt jedoch, dass nicht das Ausland, sondern die hiesige Gesellschaft versagt hat, die Integrationschancen besser zu nutzen. Nur ein geringer Teil der straffällig werdenden Jugendlichen haben einen ausländischen Pass und sind auch nach ihrer Schulausbildung nach Deutschland migriert.

Darüber hinaus ist es eine Verhöhnung eines jeden Opfers einer Gewalttat, wenn der eigene Schmerz für andere egoistische Motive instrumentalisiert wird! Der Wahlkämpfer Roland Koch (CDU) hat es strategisch sicher geschafft, die Mindestlohn-Kampagne des politischen Gegners geschickt außer Gefecht zu setzen. Aber er hat es auch gleichzeitig geschafft, einem Teil der jungen Bevölkerung in Deutschland einen Stempel zu verpassen, welcher die ohnehin schwachen Integrationsbemühungen mehr als gefährdet. Die auf Bundesebene gestarteten, anfänglich viel versprechenden Aktionen, wie die  Deutsche Islam Konferenz oder der Integrationsgipfel sind mit einem Schlag in weite Ferne gerückt. Dass sich die Bundeskanzlerin und eine breite Mehrheit innerhalb der Union hinter ihren Wahlkämpfer gestellt hat, macht parallel laufende Integrationsarbeiten noch suspekter. 
 

Erfreulicherweise berichten die Medien dieses Mal differenzierter als damals, vor 9 Jahren derselbe Roland Koch mit einer ähnlich demagogischen Art und Weise sich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft einsetzte und unerwartet großen Erfolg bei der Bevölkerung genoss. Was von vielen, in den Wahlkampf vertieften Politikern nicht mehr wahrgenommen wird, muss jedoch den Wählern bewusst gemacht werden: Es gibt durchaus Probleme, sowohl bei der Integrationsarbeit in Problemgegenden, als auch bei der Gewaltbereitschaft bildungsferner Schichten. Es kann auch nicht außer Acht gelassen werden, dass Menschen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich als bildungsfern einzustufen sind. Aber, und das ist das Entscheidende, Probleme bekämpft man nicht mit der Keule, sondern mit einer dezidierten Arbeit in alle Richtungen. Die hiesige Gesellschaft muss erkennen, dass integrativ arbeitende Migrantenselbstorganisationen (MSOen) ein Rettungsanker darstellen können, dass Multiplikatoren mit Vorbildfunktion, die eine größere Empathie für die Probleme der Menschen mit demselben Migrationshintergrund haben, gefördert werden müssen. Es gleicht einem Paradoxon, wenn einerseits die Integrationsbemühungen von gewaltbereiten Jugendlichen mit Migrationshintergrund kritisiert werden, aber andererseits keine Geldmittel für integrativ arbeitende MSOen bereitgestellt werden. Es muss eine Professionalisierung dieser MSOen stattinfen, daran führt über kurz oder lang kein Weg vorbei. Nur so kann man mittelfristig Erfolg haben.

Im 21. Jahrhundert sollten die Menschen klug genug sein, dass sie nicht mehr verblindet einem Populisten verfallen, der einerseits der Justiz Mängel vorwirft, andererseits 120 Richterstellen seit 2003 streicht, der einerseits einen Warnschussarrest fordert, andererseits aber eine von zwei Unterbringungsanstalten für einen solchen Arrest schließen lässt.

Die Aleviten Gemeinde Bünde und Umgebung e.V. weist darauf hin, dass der Verlierer dieses Debatte – wie auch immer der Wahlausgang sein möge – nicht die Hessen-SPD sein wird, sondern die deutsche Integrationspolitik und insbesondere die jungen Menschen mit Migrationshintergrund. Die Gewinner stehen jetzt schon fest: extremistische Strömungen auf beiden Seiten, sowohl solche Menschen mit ausländerfeindlicher Gesinnung auf der Seite der Mehrheitsgesellschaft, als auch diejenigen, die das Feindbild der westlichen Demokratie in die Köpfe junger Menschen einzutrichtern versuchen.

Wir fordern alle Beteiligten auf, besonnener mit den Themen umzugehen, die ein friedliches, respektvolles und tolerantes Miteinander gefährden können!

Es gibt nämlich kein Problem mit der inneren Sicherheit, es gibt lediglich ein Problem mit der inneren Einstellung zu ihr. Nicht unsere Sicherheit, sondern unser Empathievermögen ist gefährdet.

Aleviten Gemeinde Bünde und Umgebung e.V.

 

 

 


PRESSEBROSCHÜRE

ZUR GROSSKUNDGEBUNG

IN KÖLN AM 30.12.2007

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ANTWORT DER ALEVITISCHEN

JUGENDLICHEN AUF DEN BRIEF VON

 LALE AKGÜN

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