Der heilige Hizir

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DER GLAUBE UND DAS FASTEN ZU EHREN VON HIZIR DER ANATOLISCHEN KIZILBAS ALEVITEN

Der Glaube an Hizir hat seinen Ursprung in Asien. Von dort aus verbreitete sich dieser geographisch sehr weiträumig.

In Indien wird Hizir sowohl bei Muslimen als auch bei Hindus als Gelehrter verehrt. In diesen Regionen existieren viele Sagen, in denen Hizir als Retter fungiert, der Menschen in Seenot zur Hilfe eilt.
Anderswo, wie an den Küsten von Syrien, gilt Hizir als Beschützer der Seeleute.
Zu seinen Ehren wird immer eine Opfergabe erbracht, wenn ein Schiff aufs Meer fährt.

Bei anatolischen Kizilbas-Aleviten wird Hizir als Hoffnungsträger betrachtet.
Wünsche und Hoffnungen werden oftmals an Hizir ausgerufen, sodass er symbolisch als Quelle ihrer Erfüllungen gesehen wird.
Gleichzeitig ist Hizir in der Rolle des Retters in Not. Er wird zu Hilfe gerufen, wenn Menschen Folter, Krankheit, Kummer, Schmerz, Trauer erleiden oder sich in Armut und in bedrohlichen Lebenssituationen befinden.
Stets wird mit den Worten „Eile bei, heiliger Hizir" nach ihm gerufen, um Rettung oder Beistand zu erhalten.
Ersichtlich wird aus dem hervorgegangen Blickfeldern, dass im alevitischen Glauben Hizir einem Engelwesen gleicht. Je nach Region nimmt er unterschiedliche Verkörperungen an, doch liegt der Schnittpunkt darin, Hizir als Helfer und Retter zu charakterisieren.

Nicht selten wird Hizir mit dem heiligen Hz. Ali als Einheit wahrgenommen.
Ein Befürworter dieser Sichtweise ist Sükrü Metin Baba, der einst aussprach:
„Derjenige, welcher bei Verfolgung zur Hilfe eilt,
ist der Engel Hizir und der heilige Ali in Vereinigung."
Derjenige, welcher den Kummer der Armen und Leidenden nachvollziehen kann,
ist der Engel Hizir und der heilige Ali in Vereinigung."

Unterstrichen werden diese Aussagen mit den Worten:
„Eile herbei heiliger Hizir, eile herbei heiliger Ali." Darin wird nicht nur die Einheit betont, sondern zugleich Hizir als Vertreter des Göttlichen bewertet.
Aus diesem Verständnis heraus, ist es herkömmlich, dass sich Aleviten ihn stets als Weggefährten wünschen.

Es gibt zahlreiche Legenden zu Hizir. Ein Mythos besagt, dass im Korea-Krieg Person aus der Region Dersim den Hilferuf an Hizir oftmals für Soldaten, die an vorderster Front gekämpft haben, geäußert hätten und Hizir sie vor dem sicheren Tod gerettet haben soll.

In einigen Regionen der heutigen Türkei, darunter in Erzincan, Dersim, Varto, Hinis, Bingöl, Elazig und Sivas, betiteln die dort lebenden Aleviten ihre Sprache Zazaki als die Sprache Hizirs.
Er steht sowohl neugeborenen Säuglingen wie auch schwerkranken Menschen bei.
In der alevitischen Glaubenslehre haben Gäste eine tragende Bedeutung. So wird fest daran geglaubt, dass ein Haus, welches kaum Besucher empfängt häufiger von Unheil und Unglück betroffen ist. Dies hängt unmittelbar damit zusammen, dass der Haussegen von der Anzahl der Besuche abhängig ist. Entsprechend sind Gäste stets willkommen, weil sie Heil und Segen mitbringen.
An diese Überzeugung erinnert eine Hinterlassung vom Gelehrten Hatayi mit den Worten:

„Der Besuch ist die Aussprache der Liebe,
werde die Rose des Schöpfers durch die Liebe zu Hizir,
Der Gast ist zugleich der heilige Ali,
Ihr Besucher, seid willkommen bei uns!"

Hizir ist ein Helfer für Jedermann. Für Hizir gibt es keine Unterscheidung in Herkunft, Glaube und Geschlecht. Jährlich wird in der zweiten Februarwoche für die Liebe zu Gott, Muhammed, Ali und zu Gedenken an Hizir drei Tage gefastet. Die dreitätige Fastenzeit endet mit der Cem-Zeremonie (Hizir-Cem).

Der Glaube an Hizir ist mittlerweile ein fester Bestandteil der alevitischen Glaubensausübung und des alevitischen Glaubensbewusstseins.
Mit der Bedeutung dieser Fastentage sollen unsere Gebete und Wünsche erhört werden, Gott, Muhammed und Ali uns beistehen und Hizir unser Weggefährte sein.

Der Geistlichenrat des Cemevi Berlin