Wir gedenken an das Maras-Massaker von 1978

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Pressemitteilung am 27.12.2014

Die Alevitische Gemeinde zu Berlin organisiert eine Demonstration und Gedenkveranstaltung zum Maras-Massaker von 1978.
Dazu erklärt sie:
Wir verurteilen die antidemokratische und restriktive Politik der AKP-Regierung, die die friedlichen Gedenkveranstaltungen zum Maras-Massaker in der Türkei erschweren.
Wir fordern den türkischen Staat auf, 36 Jahre nach dem Maras-Massaker alle relevanten Archive für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, damit die Verantwortlichen dieses fürchterlichen Massakers zur Rechenschaft gezogen werden können.
Wir möchten alle Menschen, die sich zur Demokratie und Rechtstaatlichkeit bekennen, zu unserer Demonstration am 28.12.2014 um 16:00 Uhr vor dem Cemhaus (Waldemarstr.20, 10999 Berlin) einladen, um ein Zeichen gegen Unterdrückung, Mord und Verfolgung zu setzen.
Hintergrundinformation:
Vor 36 Jahren ereignete sich vom 19. bis zum 26. Dezember 1978 eines der blutigsten Massaker in der Geschichte der Türkei. Das Massaker ereignete sich in einem von überwiegend Aleviten bewohnten Viertel der Stadt Maras. Offizielle Angaben bestätigen 111 Tote, wobei die Zahl der Ermordeten deutlich höher geschätzt wird. Tausende Aleviten waren gezwungen ihre Heimat zu verlassen, da sie in Maras um Leib und Seele fürchten mussten. Die damalige Regierung griff nicht ein; die Polizei sah zu, wie unschuldige Menschen auf offener Straße ermordet und vergewaltigt wurden.
Das Maras-Massaker ist in der türkischen Staatsgeschichte weder das erste noch das letzte Massaker. Im Archiv des damaligen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit wurden Dokumente gefunden, die belegen, dass der türkische Geheimdienst (MIT) hinter diesem pogromartigen Angriff stand. Bis heute bestehen keinerlei Bemühungen zur Aufklärung dieser menschenverachtenden Tat. Die eigentlichen Täter wurden nicht zur Verantwortung gezogen. Einer der Drahtzieher des Massakers, Ökkeş Kenger (Şendiller), wurde freigesprochen und später zum Abgeordneten im türkischen Parlament gewählt. Viele andere Mittäter wurden mit hohen Posten im Staatsapparat belohnt.

Alevitische Gemeinde zu Berlin